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Bernhard “Benny” Wyder

Interview

Interview mit Bernhard “Benny” Wyder vom 27.08.2018

CBFP:
Wie lange arbeitest du schon als FOH
Benny:
Seit fast 30 Jahren. Früher war ich beim Stahlbau und habe Veranstaltungstechnik nebenberuflich gemacht. Am Wochenende war ich dann mit Bands unterwegs, oder habe an Veranstaltungen gearbeitet.
CBFP:
Braucht man eine spezielle Ausbildung um als FOH zu arbeiten?
Benny:
Nicht speziell als FOH aber als Tontechniker oder als Veranstaltungstechniker. Aber diese Ausbildungsberufe gibt es noch nicht lange in der Schweiz. In Deutschland gibt’s diese schon etwas länger. In der Schweiz läuft das Ganze über Learning by Doing der alten Haudegen. Das ist ein Berufsfeld, dass ziemlich neu geregelt ist
CBFP:
Machst Du das hauptberuflich ?
Benny:
Ja ich verdiene meine Brötchen damit
CBFP:
Machst Du außer Crystal Ball noch andere Bands?
Benny:
Ich mache FoH für Henä, das ist eine bekannte Schweizer Mundart Band mit 10 Musikern, mache 2 Coverbands, mache eine andere eher unbekannte Rockband, arbeite im Kofmehl, das ist ein großer Konzertclub in der Schweiz, ich arbeite auch für andere Firmen, als Systemtechniker wo ich PA-Systeme plane und einmesse. Ich entwickle mit einer anderen Firma zusammen auch Lautsprecher.

Wenn man davon leben will muss man schauen das man viel abdeckt, sprich das man viele kleine Gehälter bekommt damit es dann reicht.
CBFP:
Wie läuft für dich als FOH so ein Tour tag ab ?
Benny:
Eigentlich fängt das Ganze schon im Vorfeld an z.B. mit der Kontaktaufnahme zum technischen Dienstleister vor Ort um zu besprechen was vorhanden ist, was wir brauchen, was wir selber mitbringen usw. unseren technischen Rider mit den technischen Vorgaben schicken, schauen was ist möglich was ist nicht möglich. Es macht die Sache entspannter wenn alle Beteiligten wissen was sie erwartet. Ich habe immer mein eigenes Pult dabei und wenn alles Besprochene klappt sollte z.B. eine Datenleitung für mich bereitliegen. Beim Eintreffen mal mit der Local-Crew schauen wie das ablaufen soll, mit dem Stagemanager schauen wie der geplante Ablauf von seiner Seite aussieht. Funkfrequenzen von Funkmikros und InEarstrecken angleichen. Oft kann man im Hintergrund schon einiges vorbereiten und verkabeln. Einfach schauen das jeder weiß was er zu tun hat damit wir die oft sehr kurzen Umbauzeiten einhalten können. Bei Crystal Ball sind wir sehr gut organisiert diesbezüglich und wir haben selten mühe die kurzen Zeiten einzuhalten.
CBFP:
Was sind deine Jobs als FOH ?
Benny:
Ich muss mit einer Band bereits im Vorfeld arbeiten, weil wenn ich zu viel an den Knöpfen drehen muss stimmt was auf der Bühne nicht, also brauch ich bereits einen guten Sound von der Band.
Und das muss selbstverständlich erarbeitet werden, deshalb haben wir z.B. mit Crystal Ball vor der Axel Rudi Pell Tour eine Tourprobe gemacht und am Sound gearbeitet, Rider schreiben, InEar anpassen, Setup machen, Abklärungen mit den Locations machen um zu wissen was Sache ist.

Viele Bands berate ich was die notwendige Technik und das technische Konzept betrifft, für Crystal Ball habe ich z.B. auch das InEar-Rack gebaut und verkabelt. Repariere Kabel und anderes. Halt was technisch so anfällt.

Oft ist man auch ein bisschen Psychologe und Papi für eine Band wenn’s dann mal nicht so gut lief oder etwas schiefgegangen ist. Viele sind dann frustriert und enttäuscht und die muss ich dann wieder ein bisschen aufbauen. Durch die Arbeit mit einer Band tauchen auch immer wieder neue Probleme auf die man dann bearbeiten und lösen muss. Vieles taucht erst durch die Arbeit selber auf. Man ist also ständig am Optimieren.
CBFP:
Hältst Du mit den Bands Blickkontakt ?
Benny:
Ja wenn irgendetwas ist oder wenn jemand etwas braucht. Wenn man sich dann länger kennt reicht einfache Zeichensprache.
CBFP:
Welchen Einfluss hat die lokale Anlage für dich ?
Benny:
Das entscheidet darüber ob es klingt. Töne kommen überall heraus aber da gibt es auch Systeme die klingen unabhängig vom Markennamen, weil jemand muss das System planen, designen, einmessen, die richtige Anlage am richtigen Ort. Das alles entscheidet ob es klingt oder nicht.
CBFP:
Welches Equipment benutzt Du ?
Benny:
Ich selber arbeite mit Mischpulten von Allen & Heath. Auf Tour habe ich eine kleine iLive R72 dabei mit einem iDR32 auf der Bühne. Ich habe mehrere Komponenten der iLive-Serie aber auf Tour versuche ich kompakt zu bleiben. Bei diesem System ist das Pult selber nur eine reine Fernbedienung. Die Mischpulttechnik selber ist auf der Bühne. Ich kann auch mit einem IPad mischen und ich kann mit dem kleinen genauso viel machen wie mit dem Großen. Aber mit dem Großen ist es halt praktischer.
CBFP:
Bevorzugst analoge oder digitale Mischpulte ?
Benny:
Mir ist das egal. Hauptsache ich kann es bedienen. Ein analoges ist da etwas einfacher aber halt auch viel grösser. Bei den digitalen hat jeder Hersteller sein eigenes Bedienkonzept und ich mag heute nicht mehr jedes Mischpult lernen zu bedienen. Das ist mit ein Grund warum ich ein eigenes System dabei habe. Es ist heute eigentlich üblich das Bands auf Tour mit eigenen Systemen arbeiten. An Festivals kann’s da schon mal eng werden am FoH.
CBFP:
Macht ihr virtuelle Soundchecks ?
Benny:
Nicht beim Event. Ich nehme immer wieder Gigs via Dante auf und habe die Band somit virtuell dabei. So kann ich im Lager auch mal eine kleine PA aufbauen und mich ohne Musiker mit der Band befassen und wenn ich Lust habe Stunden lang versuchen, testen, ausprobieren, mit Effekten arbeiten usw.
CBFP:
Hast du eine Lieblings PA?
Benny:
nein, ich erwarte einfach ein gut eingemessenes PA.

(ALLE LACHEN)

CBFP:
Wie spielt der FOH mit dem Monitor Sound zusammen ?
Benny:
Jeder Lautsprecher macht Lärm und das kann Einfluss nehmen. Auch auf der Bühne hat man oft mehr oder weniger viel Schall vom PA. Bei Bands die noch mit Monitoren arbeiten muss man das mitberücksichtigen. Crystal Ball z.B. arbeitet inzwischen mit reinem InEar-Monitoring und hat ein eigenes Monitormischpult auf oder neben der Bühne. Mit dem Monitoring während dem Konzert habe ich also nichts mehr zu tun. Das erleichtert doch einiges, vor allem an Festivals. Dafür hat man natürlich im Vorfeld einiges an Arbeit mit solchen Systemen.
CBFP:
Welche Probleme können denn bei einer Produktion auftreten ?
Benny:
Stell dir mal die ganzen technischen Geräte vor die auf und neben der Bühne im Einsatz sind und jetzt steigt eins aus. Super Gau defektes Mischpult habe ich auch schon mehrfach erlebt. Deshalb haben wir vieles doppelt.  Wir schauen also auf Redundanz. Steigt z.B. mein Mischpult am FoH aus kann ich Notfall massig mit dem InEar Pult der Band via Tablet weiterarbeiten. Das Resultat ist sicher nicht mehr gleich gut aber wir müssen nicht abbrechen. Wenn ein Verstärker von einem Gitarristen aussteigt dann ist der weg. Redundanz wird also immer wichtiger und wir arbeiten ständig daran.

In meiner zeit als Techniker habe ich da schon einiges erlebt und wir versuchen was von unserer Seite her möglich ist immer zu optimieren. Natürlich kann es auch von Seiten der Veranstaltung zu Ausfällen kommen was aber nicht mehr in unserer Verantwortung liegt. Das Können Generatoren, Verstärker, Boxen usw. ausfallen. Regen/Feuchtigkeit kann Kurzschlüsse oder Fehlerströmer verursachen usw. da kann also einiges schieflaufen.
CBFP:
Gibt es für Dich ein Lokation wo Du sagst „Geht gar nicht“ ?
Benny:
Die gibt’s. Der Fluch des Ganzen ist, dass es uns immer wieder dorthin verschlägt. Ich kann jetzt dahingehen und riesen Ärger machen und alle Leute verrückt machen oder ich kann still leiden. Es hilft ja auch der Band, wenn ich ein angenehmer Mensch bin. Wenn ich ein Arsch bin dann leidet auch die Band darunter. Und es würde ja nichts ändern, weil ich muss ja den Job trotzdem machen.
CBFP:
Nehmen die Fans den schlechten Sound in einer schlechten Location auch war?
Benny:
Ein Stammgast hat sich daran gewöhnt und der kennt vielleicht nichts Anderes. Schlechten Gitarrensound kann ich nicht besser machen., ich kann ein Schlagzeug das nicht gestimmt ist auch nicht besser machen. Ich kann Schadensbegrenzung betreiben aber auch keine Wunder vollbringen. Ich gebe mir Mühe und ich gebe immer mein Maximum und versuche das Beste zu machen. Und es gibt auch immer Leute die es besser wissen (wollen). Man hat ja im Kopf wie es sein sollte. Ist man aus welchen Gründen auch immer weit davon entfernt, ist es für mich oft schwierig zu beurteilen wo man den steht. Damit es gut klingt müssen halt schon einige Dinge passen, gute und passende Komponenten die richtig eingemessen sind, Raumakustik usw. aber leider wird das von vielen Klubs völlig vernachlässigt und das hat eben auch entsprechende folgen. Und eine schlechte Raumakustik, mit all ihren Folgen, Ein PA-System das nicht klingt wie es soll kann ich mit dem besten Mischpult nicht besser machen. Matsch bleibt Matsch.
CBFP:
Betreust Du Crystal Ball nur live oder auch im Studio ?
Benny:
Das treffen zwei Welten aufeinander. Studiotechniker sind meist sehr ungeeignet für LIVE Geschichten und umgekehrt. Ein Studiotechniker kann im Studio stundenlang tüfteln und ausprobieren und das geht Live nicht. Live muss es schnell gehen. Den Studiosound kannst Du live auch nicht reproduzieren, weil es so viele negative Einflüsse wie Räume, PA’s, Publikum. Das sind einfach zwei Welten. Ich kenne aber auch Tontechniker die beides können, ich gehöre nicht dazu! Mir fehlt die Geduld im Studio. Und da ist auch einiges an Knowhow notwendig das man sich aneignen muss und dafür bin ich zu alt.
CBFP:
Benny vielen lieben Dank für das Interview
Benny:
gern geschehen

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