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Interview mit Tom Hinz vom 20.03.2019

CBFP:
Was sind deine Aufgaben als Mercher bei Crystal Ball?

TOM:
In erster Linie natürlich verkaufen der Ware. Aber es gibt immer auch noch ein paar andere Themen, wie Bestände führen, auf Tour die verschiedenen Währungen beschaffen, usw.

CBFP:
Wie lange machst Du das schon?

TOM:
Für Crystal Ball mache ich das jetzt seit dem 22.11.2013. Als Mercher habe ich aber auch schon für die Onkelz, The Poodles und natürlich auf dem United Forces Of Rock sowie auf dem H.E.A.T Festival (bin ich ja Mitveranstalter) gearbeitet.

CBFP:
Ist schon einmal etwas so richtig schief gegangen?

TOM:
Zweimal. Da ist das schlimmste passiert, was einem passieren kann. Beim ersten Mal eine Kiste mit T-Shirts im Lager vergessen und erst Vorort gemerkt und beim zweiten Mal auf der letzten Tour. Da ging in Augsburg alles schief was schief gehen kann. Rechner defekt, Tour-Bus defekt bzw. beschädigt und noch einen privaten Rückschlag gehabt. Aber sonst alles gut J.


CBFP:

Braucht man besondere Talente um als Mercher zu arbeiten?

TOM:
Talent, mmhhh weiß nicht…was man auf jeden Fall haben sollte, ist ein organisatorisches Talent um sich jeden Tag auf neue Gegebenheiten einzustellen. Man kommt zwar schon des Öfteren an die gleichen Orte und man weiß eigentlich im Voraus wie man alles machen will, aber vor Ort sieht es dann doch oft recht anders aus. Standfleisch sollte man auch besitzen, da der Merch eigentlich immer mit als erstes aufgebaut werden muss und als letztes abgebaut wird. Danach noch Kassensturz, duschen und dann ruft auch schon der liebe Busfahrer, dass es weiter gehen muss. Man sollte den Job als Mercher auch schon mit einer gewissen Art von Liebe betreiben, es geht ja auch um das präsentieren der Ware.

CBFP:
Wer ist denn für die Finanzen beim Merch verantwortlich?


TOM:
Das liegt ganz in meiner Hand. Vor einer Tour bekomme ich von der Band die Ware und muss diese dann nach der Tour mit der Band abrechnen. Dies bedeutet, wenn die Kasse nicht stimmt, mein Fehler und mein Geld. Ganz einfach J

CBFP:
Werden die Merchartikel gleichzeitig mit dem Album produziert?


TOM:
Wir versuchen schon ein gemeinsames Konzept auf die Füße zu stellen. Z.B. die Stellwände am Merchstand sind immer im farblich an der aktuellen Platte orientiert. Crystallizer war z. B. blau orientiert also bekommen die Stellwände blaue Rückwände oder Ausstellungskästen werden mit blauem Stoff ausgelegt. Inder Regel wird das Merch aber immer später nach dem Album produziert. Gerade wenn die Tour Daten aufgedruckt sind erfolgt dies meistens sehr spät. Wenn die Shirts gedruckt sind und es sich dann noch einmal etwas ändert heißt es Pech gehabt oder alles wieder einstampfen.

CBFP:
Wie bist Du zum Job des Merchers gekommen?

TOM:
Das ganze Entstand per Zufall auf der ersten Show der Band seit dem Wiederneuanfang. Ich war eigentlich nur dabei weil ich nach vielen Jahren Scott und Marcel mal wieder sehen wollte. Die Beiden kenn ich schon aus den 90ern. Da die Band natürlich extrem angespannt war und die Ware noch nicht gezählt war, habe ich es übernommen und so kam eines zum anderen.

CBFP:
Gab es ein besonderes Ereignis an das Du dich gerne erinnerst?

TOM:
Es gibt da eigentlich nichts Spezielles. Insgesamt war die letzte Tour mit Axel Rudi Pell der Oberknaller. Überall volle Häuser, als Mercher voll beschäftigt (Backstage München war unglaublich). Für mich zählen die vielen sehr angenehmen und entspannten Stunden mit der restlichen Crew und Band im Bus, in den Städten in den man sich gerade aufhält, die Day Offs, immer wieder in die Schweiz zu kommen und vieles mehr. Crystal Ball geht schon viel mehr als über eine reine Berufsbeziehung hinaus. Wir haben sehr enge und freundschaftliche Beziehungen. Da werden auch schon mal private Themen angesprochen und man sucht Rat.

CBFP:
Du warst ja bei der letzten Crystal Ball Tour nicht nur als Mercher, sondern auch als Tour Manager tätig.


TOM:
Ja und das war eine völlig neue Erfahrung.

CBFP:
Kannst du uns erklären, wie weit im Voraus du bei einer Tour in die Vorbereitungen eingebunden bist? Was ist da genau deine Aufgabe?

TOM:
Im Voraus bekommen ich allgemeine Informationen, so auf die Art wie, wann, wie Lange und wo! Je näher die Tour rückt werden die Information immer genauer und eines Tages erhält man dann einen Tour Rider in dem alles genau aufgelistet ist. Wann fährt der Bus los, wann kommen wir an, wann ist Soundcheck, wann ist Showtime und wie lange ist das Set, gibt es Duschen, haben wir am nächsten Tag einen Day-Off.

CBFP:
Bist oder warst du auch schon für andere Bands als Tourmanager tätig?

TOM:
Das war mein erstes Mal. Es ist mir natürlich schon etwas leichter gefallen, da ich die Band und die Crew ja aus dem FF kenne und schon im Voraus wusste was jeder so an Eigenheiten mit sich bringt. Außerdem war ich ja schon auf anderen Tourneen dabei. Allerdings ist die Kombination Tour Manger und Mercher im Gesamtpaket manchmal schon etwas anstrengend. Aber die Freude am Job macht alles wieder wett und nach getaner Arbeit im Nightliner sitzen und ein schönes Bierchen mit Freunden zischen ist alle Mühe wert.

CBFP:
Es ist ja grundsätzlich nichts sicherer als die ständige Veränderung. Wieviel Puffer hat der tägliche Ablauf, wenn sich mal etwas verzögert?

TOM:
Im Allgemeinen planen wir einen Puffer von ca. 2-3 Stunden immer ein. Wenn alles gut läuft sind wir dann manchmal schon ein paar Stunden früher an der nächsten Location. Allerdings kann es halt immer passieren, dass man z.B. auf einer Autobahn im Stau festsitzt oder der Bus einen Defekt hat. Dann muss am nächsten Auftrittsort alles schneller ablaufen. Bühnenaufbau, Soundcheck, Merch, usw. Aber wir sind über die Jahre mittlerweile so ein eingespieltes Team, das wir bis jetzt alles immer irgendwie hinbekommen haben.


CBFP:

Wie läuft denn so ein Tag auf Tour für Dich als Tour Manager ab?

TOM:
In der Regel ist man der erste der an der nächsten Location als erste aufsteht und vor Ort nach allen Begebenheiten erkundigt bzw. informiert. Ist schon jemand vom lokalen Veranstalter da, wann ist Breakfast und Dinner, wer will was essen, gibt es Vegetarier oder Veganer usw., wo sind die Umkleideräume, erkundigt sich nach dem WLAN Passwort, sind schon Handtücher da, Kühlschränke gefüllt, stimmt der Catering Rider. Dann richtet man sein lokales Büro ein, wenn vorhanden, und ruft seine Email ab. Gleichzeitig richtet man den Umkleideraum ein (hängt z.B. Zeitplan auf), klärt ab wann der Anhänger entladen wird und wann Bühnenaufbau erfolgt. Während allen diesen Themen will ja natürlich noch jeder seine eigenen Punkte erledigt wissen. Beim Day Off nach Hotel sehen, Telefonnummern suchen, zusammen überlegen was man am Day Off machen will. Und noch einiges mehr. Wenn dann soweit alles läuft, meistens während dem Soundcheck, baue ich meine Merchstand auf und bereite mich auf den Abend vor. Ich habe jetzt bestimmt noch einige Kleinigkeiten vergessen aber im Großen und Ganzen war es das.

CBFP:
Gibt es Faktoren die Du bei der Planung der Reisroute beachten musst?

TOM:
Hier bin ich soweit nicht involviert da dies in aller Regel über eine Veranstaltungsagentur läuft und ich nur die Durchführung während der Tour betreue.

CBFP:
Erzähl uns doch mal was hinter den Kulissen so abläuft?

TOM:
Wichtig ist das alles sehr entspannt und stressfrei läuft. Gerade für die Künstler. Wir als Crew sind dafür da, der Band einen ruhigen Aufenthalt zu ermöglichen. Nur dann ist in aller Regel ein guter Soundcheck und eine gute Show möglich. Hast du gestresste Musiker auf der Bühne wird das nichts. Hinter den Kulissen läuft es bei uns eigentlich relative entspannt ab. Wenn wir Zeit haben gehen manche noch in die Stadt, andere schlafen, lesen schauen im Nightliner ein Video oder man unterhält sich einfach. Manchmal kann es nach der Show schon etwas heftiger werden, aber nichts Extremes. Wir gehören doch schon etwas zum älteren Semester und da ist dann nicht mehr viel Party angesagt. Vom Charakter sind wir auch alle etwas ruhiger und sitzen lieber gemütlich bei ein paar Bier oder Jacky zusammen.


CBFP:

Fühlst Du dich manchmal als „Das Mädchen für Alles“?

TOM:
Das kann man so nennen, das wenn man diesen Job machen will weiß man das vorher. Und ich mache das wirklich gerne, weil mir alle sehr ans Herz gewachsen sind. Meine neun Jungs und unsere Nicole, die mich manchmal bei Merch vertritt, sind mein Kindergarten und ich passe gerne auf alle auf. Ich organisiere gerne und bin dies von meinem Job in der realen Welt gewohnt und mache das jeden Tag. Ich bin sehr dankbar dafür und kann immer wieder nur Danke sagen. Ich habe dadurch unheimlich viele Menschen kennengelernt, in der ganzen Welt. Deutschland, Schweiz, Japan, Holland, Belgien, Italien, Spanien usw. Auch dich und deine Familie habe ich nur so kennengelernt und jetzt sitzen wir da und machen dieses Interview. Was will ich mehr… 

Noch ein paar eigene Worte. Ich möchte alles Supporten, Fans, Freunden und meinen Familienmitgliedern danken, dass sie uns immer unterstützen. Ohne das Verständnis dafür wäre das alles nicht möglich.

Leider hat mich/ uns gestern die Nachricht vom überraschenden Ableben unseres lieben Freundes Ralf Hendrikman erreicht. Ralf hat sich innerhalb einer sehr kurzen Zeit als guter und enger Freund für mich und die Band entwickelt. Er war letztes Jahr auf unserer Crystallizer Tour als Photograph dabei, ist uns überall hinterhergefahren und war auf einigen Konzerten. Ich habe Ralf als einen extrem liebenswerten und tollen Menschen kennengelernt und er wird eine große Lücke hinterlassen. Auch auf meinem H.E.A.T. Festival, das ich mitorganisiere, war er dabei und machte einen extrem klasse Job. Es stimmt einen traurig und erinnert einen daran das es wichtiger Dinge gibt, als Job und Geld.

Miss Bro, you will never forget.

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