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Live-Review Crystal Ball & ARP Bochum 06.05.2018 von Crossfire-Metal

AXEL RUDI PELL, CRYSTAL BALL

Bochum, Zeche, 06.05.2018

Das Interview steht unter keinem guten Stern. Axel selbst steht nicht zur Verfügung. Wir sollen Bassist Volker Krawczyk und Schlagzeuger Bobby Rondinelli auf dem Hinterhof am Tourbus treffen, doch das Tor ist verschlossen. Volker sollte erst das Interview am Tor machen und Bobby gar nicht. Ein Telefonat von Promoter Thomas Pieper, ein bisschen hin und her, und man schließt uns doch endlich auf. Die Atmosphäre Backstage ist entspannt. Doch durch die Verzögerungen gibt es Störungen im Ablauf. Als beide Interviews beendet sind, ist der Torwächter samt Schlüssel wieder weg, und wir müssen durch den Hintereingang zur Bühne in die Halle.

Dort hatten aber gerade erst Crystal Ball die Bühne betreten, und die sind schon voll in Aktion. Wir stehen also kurz mitten im Blickfeld des Publikums. Die Band bekommt davon aber nichts mit. Abgefahren! Das Band-Logo kenne ich schon ewig, die Band hatte ich 2014 einmal in Wuppertal im Vorprogramm von Universe gesehen. Ihre Platten kenne ich jedoch nicht. Zehn Stück haben sie bereits veröffentlicht; die letzten vier mit dem „neuen“ Sänger Steven Mageney. „Diese Band kommt aus der Schweiz. Ich aber nicht! Aber Wuppertal ist ja auch ganz nett.“, begrüßt er das Publikum nach dem Opener „Crystallizer“, dem Titeltrack und Opener des neuen Albums. Da ich ihre Alben nicht kenne, kann ich nichts über die Songauswahl sagen, wohl aber, dass „Déjà-Voodoo“ in der Mitte des Sets ein toller Ohrwurm zum Mitgrölen ist, die Band richtig Bock hat und auch im Publikum gut ankommt. Musikalisch passen sie gut zum Headliner und heizen mit gutem Sound knappe 45 Minuten ordentlich ein.

Dann war es Zeit für den Headliner. Axel Rudi Pell hat in Bochum ein Heimspiel, und obwohl er erst vor knapp zwei Wochen in der Zeche schon eine Show gespielt hatte, ist die Hütte heute erneut ausverkauft. Auffällig ist, dass hier viele alte Leute sind, die man sonst nie auf Metal-Konzerten sieht. Bekannte Gesichter gibt es nicht. Endlich ertönt das Intro „The Medieval Overture“. Lediglich Schlagzeuger Bobby Rondinelli sitzt bereits hinterm Drumkit und macht leichte Fingerübungen. Dann betritt der Rest der Band die Bühne und legt direkt mit „The Wild And The Young“ und „Wildest Dreams“ vom neuen Album „Knights Call“ los. Für mich überraschend, geht es mit „Fool Fool“ vom eher unbekannten, 1996 erschienenen Album „Black Moon Pyramid“ weiter. Danach folgt das epische, achtminütige „Oceans Of Time“ vom gleichnamigen Album von 1998, welches das Debüt von Sänger Johnny Gioeli und Keyboarder Ferdy Doernberg ist, die beide nun ihr zwanzigjähriges Jubiläum bei Axel Rudi Pell feiern. Ebenfalls etwas überraschend ist sicherlich „Only The Strong Will Survive“ vom 2004er „Kings And Queens“-Album. Nach „Mystica“, dem Titeltrack des 2006er Albums inklusive Schlagzeug-Solo, ist bereits die Mitte des Sets erreicht. Im Drum Solo gab es von jedem etwas: erst eine Snare-Figur, dann Toms. Danach legt Bobby Rondinelli seine Stöcker beiseite und trommelt im Stil von Tommy Aldridge und Frankie Banali mit den bloßen Händen weiter. Es folgt Getrommel auf der riesigen Kesselpauke, anschließend ein bisschen Doublebass und den lauten China-Gong als Abschlussbums. Genial! Mit „Long Live Rock“ kehrt die Band zum neuen Album „Knights Call“ zurück. Danach gibt es ein längeres Medley und die Ballade „The Line“. Und wie Johnny Gioeli dabei die Töne langzieht, ist nicht von dieser Welt. Was für ein begnadeter Sänger und Frontmann! Er ist ein Sympathieträger und Entertainer, ständig in Bewegung und hat das Publikum im Griff. Man hat gar nicht immer unbedingt das Gefühl, dass Axel Rudi Pell im Vordergrund steht. Der Meister selbst steht meistens im Hintergrund. Lediglich bei den langen Solo-Passagen kommt er nach vorne. Egal ob schnelles Solo-Gefrickel oder gefühlvolle Melodien: Axel versteht sein Handwerk, welches ganz offensichtlich an den großen Ritchie Blackmore angelehnt ist. Von den schnellen, wilden Soli lässt sich auch Keyboarder Ferdy Doernberg anstecken, der seinen Keyboard-Ständer schräg hält und ordentlich mitpost. Nach „Warrior“ von „Between The Walls“ (1994) und einem weiteren langen Medley, ist das reguläre Set vorbei.Für den Zugabenteil betritt Axel Rudi Pell als erster die Bühne und stimmt „The Masquerade Ball“ an, welches direkt in „Casbah“ übergeht, dessen „Oh hoho- hoho“-Part fanatisch vom Publikum mitgesungen wird und für Stadionstimmung und Gänsehautmomente sorgt. Als letzte Zugabe wird schließlich „Rock The Nation“ vom „Mystica“-Album rausgehauen, bevor nach über zwei Stunden Schluss ist. Es dauert noch eine Weile, bis die Halle sich leert, und man sieht um sich herum nur erschöpfte, aber fröhliche Gesichter. Um 22.05 Uhr ist trotz musikalischer Vollbedienung überpünktlich Schluss, was mir an einem Sonntagabend sogar mal ganz gelegen kommt. Ein toller Abend, an dem ich einen meiner Lieblings-Schlagzeuger treffen und interviewen durfte und ein Wahnsinns-Konzert gesehen habe, geht zu Ende.

Setlist: The Wild And The Young, Wildest Dreams, Fool Fool, Oceans Of Time, Only The Strong Will Survive, Mystica (incl. Drum Solo), Long Live Rock, Medley: Key/Game Of Sins/Tower Of Babylon/Game Of Sins, The Line, Warrior, Medley: Edge Of The World/Truth And Lies/Carousel, Medley: Masquerade Ball/Casbah, Rock The Nation

Autor: Daniel Müller – Pics: Daniel Müller

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Gila Nebe
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Gila Nebe

Da ist dir ein kleiner Fehler unterlaufen, Universe hat im Vorprogramm von Crystal Ball gespielt, nicht umgekehrt